Chinoiserie: europäische Fernost-Motive im Interieur

Chinoiserie ist kein asiatischer Stil, sondern ein europäischer: die Verarbeitung ostasiatischer Motive durch europäische Werkstätten seit dem 18. Jahrhundert. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn sie erklärt, warum Chinoiserie in klassisch europäischen Räumen so gut funktioniert.

Woran man sie erkennt

  • Motive: Vögel, blühende Zweige, Pagoden, Landschaften mit Brücken, meist erzählend über eine Fläche verteilt.
  • Farben: Blau auf Weiß als klassischste Kombination, dazu Grün, Koralle und Gold.
  • Oberflächen: Lack in tiefen Tönen, oft schwarz oder rot, mit gemalter oder erhabener Verzierung.
  • Objekte statt Möbelserien: der Stil kommt über Einzelstücke ins Zimmer, nicht über eine komplette Einrichtung.

Dosierung entscheidet

Chinoiserie ist ein Akzentstil. Eine große Vase auf einer Säule, ein Paar Deckelvasen auf dem Konsolentisch, ein Wandbild mit Blütenmotiv: Damit ist der Ton gesetzt. Wer Tapete, Möbel, Textilien und Objekte gleichzeitig im selben Motiv wählt, bekommt ein Themenzimmer. Die klassische Regel lautet: ein starkes Stück je Raum, alles andere ordnet sich unter.

Womit sie sich verträgt

Sehr gut mit Neoklassik, weil beide historisch zusammengehören und die strenge Form die verspielten Motive fasst. Gut mit Maximalismus, wo sie als eine von mehreren Motivwelten auftritt. Schwierig mit sehr reduzierten Stilen, weil dort ein einzelnes ornamentales Objekt schnell wie ein Fremdkörper wirkt. Blau-weißes Porzellan ist die Ausnahme, es funktioniert fast überall.

Das Paar als Prinzip

Ein Merkmal, das oft übersehen wird: In der historischen Anwendung stehen viele Objekte paarweise, links und rechts symmetrisch. Zwei gleiche Vasen an den Enden einer Konsole wirken deshalb ruhiger und richtiger als drei verschiedene in der Mitte. Wer Chinoiserie sparsam einsetzen will, kommt mit diesem einen Prinzip weit.

Häufige Fragen

Ist Chinoiserie ein asiatischer Stil?

Nein. Es ist ein europäischer Stil, der ostasiatische Motive seit dem 18. Jahrhundert verarbeitet. Deshalb passt er gut in klassisch europäische Räume.

Wie dosiert man Chinoiserie?

Als Akzent. Ein starkes Stück je Raum, etwa eine große Vase oder ein Bild mit Blütenmotiv. Tapete, Möbel und Textilien im selben Motiv ergeben ein Themenzimmer.

Warum stehen Objekte oft paarweise?

Weil die historische Anwendung symmetrisch ist. Zwei gleiche Vasen an den Enden einer Konsole wirken ruhiger als drei verschiedene in der Mitte.

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